Was ist Achtsamkeit?

Achtsamkeit bedeutet die Konzentration auf den gegenwärtigen Augenblick, also auf das, was man in genau diesem Moment gerade tut. Man schenkt der Gegenwart seine 100%-ige und ungeteilte Aufmerksamkeit. Wenn man eine Aufgabe erledigt, dann konzentriert man sich ausschließlich auf diese Aufgabe. Wenn man kocht, dann kocht man. Wenn man eine Präsentation erstellt, dann erstellt man ausschließlich die Präsentation. Man lässt sich nicht von seinen unzähligen Gedanken, Handy oder Lärm von dem ablenken, was man tut, sondern ist völlig fokussiert auf den gegenwärtigen Moment und die derzeitige Aufgabe. Es heißt im Hier und Jetzt ankommen und nicht in unzähligen sinnlosen Gedanken aus Vergangenheit und Zukunft zu versinken. 

In der Achtsamkeit geht es also nicht darum, irgendwo hinzukommen, sondern dort anzukommen, wo man bereits ist, im gegenwärtigen Augenblick. Es bedeutet, aus unserem oft zermürbenden Gedanken-Karussell herauszukommen und den Fokus auf das zu legen, was genau in diesen Moment passiert. Der Fokus auf das Jetzt ist dabei durch verschiedene „Grundwerte“ gekennzeichnet. Dabei zählen Annehmen, Nicht-Bewerten und Loslassen zu den drei wichtigsten.

Annehmen

Der größte Energiefresser in unserem Leben ist Widerstand. Doch Widerstand erzeugt Stress und führt dazu, dass wir uns noch tiefer in Vergangenheit und Zukunft verrennen. In der Achtsamkeit lernen wir, die Dinge in unserem Leben so anzunehmen, wie sie sind. In dem man eine Situation, ein Gefühl oder eine Emotion einfach akzeptiert, lassen die Gedanken und der daraus resultierende Stress oft von allein nach. Sobald wir das Leben, Situationen oder Menschen so annehmen, wie sie sind, entspannt und weitet sich unser Geist und Energie kann wieder fließen. In der Achtsamkeit wird der gegenwärtige Moment daher genauso angenommen, wie er ist.

Dabei meint Annehmen nicht, dass man sich alles gefallen lässt oder bedeutet etwas Passives. Es bedeutet keine Resignation, bei der man sich den Dingen einfach hingibt oder ist ein Zeichen von Schwäche. Nur wenn wir akzeptieren, ist unser Geist bereit zu handeln. Er denkt dann in Lösungen und nicht in Problemen. Wenn wir Widerstand gegen eine Situation oder Person empfinden, dann analysieren oder kämpfen wir, aber es ändert nichts an der Situation, es kostet nur Energie. Die Situation ist, wie sie ist.

Nicht-Bewerten

Ein weiteres Grundproblem unseres Verstandes ist das ständige Bewerten und Urteilen. Egal was auch in unserem Leben passiert: Wir drücken den Geschehnissen einen Stempel auf – positiv, negativ, gut, schlecht, dick, dünn, hässlich oder schön. Doch genau diese Bewertungen lösen einen chemischen Neurotransmitter-Cocktail in unserem Gehirn aus, der Emotionen erzeugt, die zu diesen Gedanken passen. Wir denken uns also traurig, genervt oder ängstlich.

Ein neutraler innerer Zustand hingegen führt dazu, dass unser Gehirn weder positive noch negative Botenstoffe produziert. So bleibt das Gedankenkarussell aus, das oft unseren Alltag bestimmt. Nicht bewerten bedeutet in der Achtsamkeitspraxis, dass man seine aufsteigenden Gedanken, Gefühle und Emotionen aus der Vogelperspektive beobachtet und dann wie Wolken am Himmel einfach weiterziehen lässt. Man reagiert einfach nicht darauf oder teilt die Wolken in große, kleine, gute oder schlechte Wolken ein. Es sind einfach Wolken.

Das Nicht-Bewerten des gegenwärtigen Moments führt dazu, dass wir sofort in die Lösung gehen und nicht erst immer wieder eine Zwischenschleife für gedankliche Dramen einlegen. Achtsamkeit lässt uns verstehen, dass Gedanken lediglich Gedanken sind, jedoch nicht die Wahrheit dessen, was ist. Dies hilft uns dabei, uns von unseren oft zerstörerischen Gedanken zu desidentifizieren. Wir lassen uns nicht mehr auf jedes Drama ein, was unser Gehirn produziert: So wird das Gedankenrad langsamer. Das Gehirn muss nicht mehr zwischen tausenden Reizen hin und her springen, sondern hat wieder genug Kapazität, sich auf Entdeckungsreise zu begeben.

Loslassen

Die Buddhisten sprechen vom Nicht-Anhaften, hierzulande hat sich der Begriff des Loslassens etabliert. Er bedeutet, dass wir lernen, dass alles in unserem Leben vergänglich ist. An etwas festzuhalten, erzeugt Drama in uns und ist die Ursache von Leid und Problemen. Wir verlieren den Kontakt zur Gegenwart und klammern uns an die Vergangenheit oder verlieren uns in der Zukunft. Wir können also nur im Hier und Jetzt leben, wenn wir es lernen, loszulassen. Nur wenn wir von Vergangenheit und Zukunft ablassen, können wir in den gegenwärtigen Moment kommen. Nur wenn wir es lernen, loszulassen, sind wir von Moment zu Moment offen für neue Eindrücke und Erlebnisse. Und nur das Loslassen ermöglicht es uns, die Wolken auch wirklich ziehen zu lassen.

Je mehr Dinge wir festhalten und nicht abschließen, je mehr klaut es uns Energie. Wie ein alter Computer, der bei ein paar offenen Programmen und Taps immer langsamer wird und wo irgendwann gar nichts mehr geht. Wenn wir die Programme und Taps jedoch schließen und damit loslassen, dann werden wir schneller und unsere Energie kann wieder ungehindert fließen.

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